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    MEINE GELIEBTE, MEINE EINZIGE BILLIE

    Ein wenig früher, noch vor Weihnachten fühlte ich mich schrecklich schwer, todunglücklich und trostlos.

    Der vierundzwanzigste Dezember war ein milder und grauverhangener Tag und es regnete sehr stark, obwohl ich mir den Schnee an diesem Tag gewünscht hätte. Ich denke, ein Weihnachtsfest ist mit dem Schnee viel erträglicher und faszinierender als ein Tag am Weihnachten mit dem Regen.

    Die Bilder meiner Kindheit als der Schnee am Weihnachten nach und nach fiel und die ersten Flocken ganz langsam in die Erde sanken und dann immer mehr Flocken aus dem weißen Himmel schwebten und auf dem Grass sich nieder gelegt haben, sind schon längst verschwommen und aus meinem Gedächtnis verschwunden.

    Nur in den Liedern von Bing Crosby, Elvis Presley, Barbra Streisand und Ella Fitzgerald hörte ich als Kind fröhliche Sätze über die Mistelzweige schön weiß bestäubt und über die Wipfel der Bäume, die glitzern und über die Kinder, die nach dem Schlittengeläut im Schnee gelauscht haben.

    Der Schnee knirschte nicht trocken unter meinen Sohlen an diesem Weihnachtstag und ich zündete alle Lampen und Kerzen in allen Räumen meiner Wohnung und ich wusste plötzlich, dass es ab heute nur mit mir weitergehen musste und ich redete mir zu, nicht aufgeben, nicht nachzugeben und den Dingen ihren Lauf zu lassen.

    Ich war nicht müde und ich wusste nicht wie ich weiter fliehen konnte also setzte ich mich zum Tisch und versuchte, nicht länger zu heulen und untröstlich zu sein.

    Zwanzig Jahre verbrachte ich meine Weihnachtsfeste nicht alleine und ich erinnere mich sehr deutlich an früher, und ich versuchte an diesem Weihnachtstag unbefangen zu sein und nichts zu verketzern, obwohl ich mir sicher bin, dass kein Mensch auf dieser Erde, gerecht zu seiner Vergangenheit ohne Verurteilungen gerade stehen wird.

    Es war ja eigentlich wirklich so. Diese Weihnachtstage waren kein Fest mehr, sondern die Tage wie alle anderen, denn an diesen Weihnachtstagen sind die Helligkeit, Hoffnung und die Freude für mich gestorben. Es wurde mir klar, dass ich kein Erwachsender, kein Papa oder sonst ein Elternteil diesmal sein werde.

    Das erste Mal kaufte ich kein Geschenk und ich spürte wie traurig es wird, wenn man die Weihnachten ohne Überraschungen, Glanz und Zauber erlebt. Weihnachten ist meist ein Tag, an dem man gemeinhin einander mit Dingen beschenkt, die man eigentlich so oder so einmal kaufen müsste, aber trotzdem, ein Mensch freut sich wenn man einen hübschen, antiken Spazierstock bekommt, einen Ring mit einem taubenblutigen Burma Rubin, eine massive Gelbgold Königskette, ein Stück Rinderfilet für die geliebte Katze, ganz klein geschnitten oder ein Fabergé Zigarrenetui, alt und prachtvoll. Wenn man das alles als Geschenk an diesem Tag, unter dem glitzernden Baum hingestellt bekommt, ist Weihnachten ein Fest der Wunder und Geheimnisse.

    Am vierundzwanzigsten Dezember wurde ich zu Freunden eingeladen, die im Laufe der Zeit aufgehört haben, meine Freunde zu sein. In meiner Traurigkeit hatte ich nicht die Kraft gehabt, mein gebrochenes und leidvolles Herz wieder zu beleben.

    Um siebzehn Uhr schon, wenn ich mir ein Taxi bestelle und mein Haus verlasse, liegen meine Freunde auf der Couch und ein warmer und fauler Alkohol Dunst schwebt in der Luft wenn ich ihre Wohnung aufsuche.

    Mein Stiefvater hat Schnaps getrunken und meine Mutter rannte in die Apotheke quer durch die Gassen und kam schnell zurück ins Haus mit Teebaumöl und Basilikumblättern auf denen mein Stiefvater kauen musste, um den abscheulichen Geruch aus der Wohnung zu verjagen.

    Um Mitternacht, gerade wenn ich müde bin und mein befreundetes Ehepaar verlassen werde, verliere ich langsam meine Geduld wenn sie die Tür von innen zusperren und sich schon wieder mit dem Kind beschäftigen. Ich hasse Kinder, die wild, zappelig, aufgedreht und anstrengend sind.

    Mein Heiligabend war in diesem Jahr bei mir zu Hause gut und schön, obwohl einsam und bekümmert geplant.

    An diesem Abend wusste ich und es tat mir sehr leid, nicht weil meine Schulfreunde Vegetarier sind, sondern weil sie alle in ihren letzten Jahren nur von vegetarischen Lebensmittelgeschäften gesprochen haben und von Massentierhaltung, die man nicht unterstützen darf und von Umweltschutz, Tierschutz, Gesundheit und ihrer Überzeugung, reine Rohköstler zu sein.

    Eine schreckliche Vorstellung für mich, ein Weihnachtsfest mit so wenig Freude zu verbringen.

    Im Übrigen, ich hatte aber wenig Glück an diesem Tag, denn mein Haupt tat mir nur noch weh als ich mir den Abend mit meinem jungen, hübschen Freund in meinem Kopf schwirren vorstellte.

    Es sind fast sieben Jahre vergangen und dann lange geschah gar nicht. Ich besaß viele Kräfte, um nie mehr in meinem Leben eine Zigarette anzuzünden.

    Sogar ein bildschöner Shawn, der ganz früh, um siebzehn Uhr, an diesem Weihnachtsabend ruhelos eine Zigarette drehte und sie genussvoll anzündete, hätte nicht genug Stärke, um mich für diese Sünde zu überreden.

    Er drehte immer Zigaretten in einer trichterförmigen Form, die am glimmenden Ende etwas dicker waren und um sie zu rollen, suchte Shawn in seiner Tasche verschiedene Zigarettenpapiere, die meist in unterschiedlichen Längen und Breiten oder Papierbeschaffenheit auf dem Markt zu besorgen waren.

    Es fiel mir nicht leicht, aber ich fühlte mich plötzlich ganz unbeugsam, gerade an diesem Weihnachtstag, wenn das Wetter schrecklich trüb war und meine Seele keine Heftigkeit hatte, das Gleichgewicht zu halten, allen meinen Freunden den Abend ohne mich anzusagen.

    Jeder, der eines Tages unerwartet allein auf der Welt bleibt, muss sehr vorsichtig mit sich selbst umgehen, um mit seiner Niedergeschlagenheit am Leben zu bleiben.

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