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    VERTIGO. MIR IST SCHWINDELIG. TEIL 1

    Die Jahre mit meinem Ehemann schlichen dahin.

    Mitte Januar wurde es nicht wärmer und der Schnee lag auf den Bürgersteigen.

    Zu Weihnachten habe ich viel Geld von meinen Eltern als Geschenk bekommen. Das Geld war eigenartig verpackt und eingewickelt in einem Krawattenschal aus weich fließendem Seiden-Jacquard in Marine mit großflächigem Blumenmotiv in Rot- und Goldtönen.

    Jeden Tag versuchte ich in die Stadt zu gehen und unternahm verzweifelte Versuche, mich aufzumuntern, um auf der Hauptstrasse und auf der Edelstrasse der Stadt einkaufen zu können.

    Es wurde mir klar, dass ich mir eine Uhr von Patek Philippe wünschen wollte und ich redete mir jeden Tag gut zu, um mir Mut zu machen, mir eine schöne Uhr endlich zu besorgen.

    Es wurde mir auch klar, dass ich keine Uhr aus der Versteigerung des Auktionshauses Phillips für etwa sechs Millionen Euro kaufen konnte, denn solche Uhr ist mit Sicherheit die teuerste Uhr der Welt und dazu noch ein Einzelstück und ich denke, für diese Uhr würde sich bestimmt wieder ein Käufer finden, der vielleicht sieben Millionen für das Stück ausgeben würde.

    Es gibt eine Uhr von Breguet, die nach der französischen Königin Marie Antoinette benannt wurde. Marie Antoinette war eine Bewunderin von Breguet Uhren. Eine Taschenuhr wurde von einem ihrer Liebhaber in Auftrag gegeben. Das Model wurde fertiggestellt aber die Königin hat leider die Taschenuhr nie gesehen. Später landete die Uhr in einem Museum in Jerusalem und dann wurde sie geklaut, dann tauchte die Uhrlegende wieder auf und heute wird diese Uhr auf siebenundzwanzig Millionen Euro geschätzt. Wird ein Mensch diese Taschenuhr überhaupt kaufen?

    Ich werde diese Uhr sicherlich nie besitzen können, denn ich habe nicht einmal in einem Traum, der ganz harmlos war, die Uhr von Marie Antoinette gesehen und selbst als ich stöhnend erwachte, lag die Taschenuhr irgendwo an einem sicheren Ort und erwies damit die uneingeschränkte Loyalität zur Königin.

    Vielleicht bildete ich mir das nur ein aber ich konnte die Strasse vor meinem Haus nicht überqueren.

    Es ist schrecklich schwer, diese Situation nachzuahmen aber ich spreche die Wahrheit aus und ich erinnere mich deutlich an früher und ich versuche, heute, nach all den Jahren, gerecht zu sein, nichts zu verklären oder auch nichts anzuschwärzen.

    Mein Weihnachtsfest war ein schönes aber kein geheimnisvolles Ereignis mit meinem Mann. Wie jedes Jahr, habe ich fast alle Speisen in der Küche für uns angefertigt und das Rinderfilet für unsere Katze wie für Hackfleisch fein geschnippelt und das Besteck, polierte ich mit einem Silber Poliertuch auf Hochglanz.

    Es war ja eigentlich wirklich so. Mir wurde schwindelig. Ich habe mich gefürchtet weiter auf der Strasse zu gehen und ich habe mich gefühlt, als ob ich den Boden unter den Füßen verloren hätte und als ob die Erde unter meinen Füßen schwanken würde.

    In meinen Muskeln spürte ich eine Verkrampftheit und mein Herz schlug immer schneller und ungleichmäßiger und ich spürte eine Unsicherheit in meinem Körper und eine schwere Schwankung in den Beinen währenddessen meine Füße plötzlich ein schreckliches Taumeln in Gang gesetzt haben.

    Heute, nach einer langen Reihe von Weihnachtsabenden mit meinem Mann, sitze ich mit fast zwanzigtausend Euro in meiner Chanel Tasche und ich werde nie das Geld für irgendwelche Diamanten Broschen oder Smaragden und Rubinen Ohrringe mit Rosenschliff ausgeben.

    Das Geld in meiner Tasche wird in meinem Leben ein Andenken bleiben. Ich werde nie wieder durch die Kaufhäuser rennen und unnötige Dinge kaufen. Den Schwindel werde ich nie vergessen, denn dieser Zustand hat in meinem Leben eine unglaubliche Erinnerung hinterlassen und fast vierzig Jahre lang mein Dasein ausgemacht.

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