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    MEIN FREUND. EIN WIDDER. TEIL 1

    Ich verbringe hundertfünfzig Tage im Jahr im Krankenhaus.

    Zwischendurch darf ich nach Hause gehen und daher fühle ich mich wie ein Gefangener auf Bewährung.

    Natürlich gibt es immer noch so viele Arbeiten zu Hause, mit denen ich nicht fertig werde, aber ich bin erst mit fünfzig darauf gekommen, dass ich nur noch zweihundert Tage im Jahr zur Verfügung habe. Kein Mensch darf im Moment von mir zu viel verlangen.

    Der größte Erfolg wäre es wohl, wenn ich den ganzen Kram auf dem Dachboden endlich entsorge. Ich hätte Ricardo, Hakan oder Stefan darum bitten können, aber eine Zusammenarbeit fällt mir immer noch schwer in meinem Leben. Dafür bin ich in allen Gesprächen mit Menschen und vor allem mit meinen Freunden nicht ungeschickt.

    Aber ich fühle mich so unwohl wenn ich die Menschen um einen Gefallen bitten muss.

    Es fiel mir nicht leicht und ich werde mich nie daran gewöhnen können, den Satz: „Kannst du mir einen Gefallen tun“ zu äußern. Es ist schrecklich und viele Menschen sagen, wenn du am Leben bleiben willst, musst du deine Freunde um Gefallen bitten. Meine Würde ist aber viel stärker und ich möchte meinen Freunden absolut keine Narben hinterlassen und nie von einem Menschen abhängig sein.

    Alles, was mit Gesprächen und Menschen zu tun hat, hat mir schon von jeher eingeleuchtet und Spaß gemacht.

    Viele Menschen sagen zu mir, ich hätte mir diese natürliche Begabung schon längst ausbauen können und damit Geld verdienen können. Reden und Menschen überzeugen, Menschen beraten und schwachen, jungen oder kranken Menschen Mut zu geben, diese Arbeiten befriedigen mich am meisten. Vielleicht hätte ich mich bei einem Verkaufssender bewerben sollen und dort die Menschen beraten und Sachen verkaufen, die ich gut und schön finde.

    Diese Woche hindurch putzte ich ständig meine Wohnung an den Tagen, an den ich nicht im Krankenhaus war und bügelte meine Hemden und redete mit mir selbst.

    Ich wusste jetzt, wie kostbar meine Zeit ist und was alles falsch gewesen war und wie ich meine Zeit hätte besser gestalten können.

    Manchmal habe ich einen Freund von mir getroffen und er schrieb mich an und ich habe erst jetzt gemerkt, wie wenig Freude ich gefunden habe als wir uns gesehen haben.

    Rufus hat nie einen sicheren Platz in meinem neuen Leben einräumen können, denn ich war nur traurig, und diese Trauer erfüllte mich bis zum Rand als ich verstanden habe wie egoistisch und egozentrisch Rufus war.

    Rufus war wie ein Ritter. Er lebte mit einer Freundin, in Mexiko verließ es seine Frau und seine zwei Kinder und mein Kopf tat nur noch weh, als ich gesehen habe, wie er seine Termine telefonisch zwischendurch erledigte und dann, um mir zu helfen, eine schwere Tüte in meine Wohnung getragen hat. Ich war glücklich kurz bevor wir uns gesehen haben, dennoch – ich muss sagen, ich konnte keinen Moment mit Rufus lieb gewinnen, denn er kam immer zu spät. Der Schnee war wieder geschmolzen und dann kam Rufus.

    Ich fühlte mich wohl als ich mich hübsch für Rufus angezogen habe und plötzlich fühlte ich mich wie krank, erschöpft und erkältet als ich auf ihn gewartet habe.

    Es war keine Einbildung, aber Rufus hat mich irgendwie dazwischen geschoben. Wahrscheinlich frühstückte er noch mit seiner Freundin und dann, um eine Pause zu machen, traf er mich und um seinen Gemütszustand wieder zu verbessern, plante er zwischendurch eine Lebensmittelversorgung bei seinen Eltern.

    Rufus war wirklich wie ein Ritter, der in einem Schloss lebt und flickt ganz brav und ruhig die Sicherungen.

    Alles, aber absolut alles, was Rufus getan hat, blieb nur ein Abendteuer. Rufus wechselte seine Jobs wie ich meine Krawatten und wenn er bei seinen alten Tätigkeiten geblieben wäre, hätte Rufus echte seelische Verdauungsschwierigkeiten bekommen.

    Aus Gelassenheit, Zufriedenheit und Eintönigkeit würden schwere Blasen in seinem Körper entstehen und sie würden seine Seele schnell zu Schwielen bringen.

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