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    THE END OF A LOVE AFFAIR

    Plötzlich hasste ich die graue, flirrende Luft, die den Regen brachte. Ich mochte mich in dieser Zeit auch nicht, denn ich nichts für mich tun konnte.

    Meine Krawatten und Schleifen waren in den Schubladen und es war die reinste Unvernunft, sie herauszuholen und bei diesem Wetter zu tragen. Ich konnte gar nicht anders.

    Im Herbst kehre ich um in meiner Entwicklung. Ich zerrte alle blauen Säcke mit meinen schönen Sachen aus der Wohnung und band sie aneinander und schleppte sie nach oben in die Dachkammer.

    Meine Katze Billie war begeistert als es ein wenig kühler war und seit fünf Tagen schon sprang sie nicht mehr in den Spülbecken in der Küche, wo sie sich im Sommer abkühlen konnte, sondern legte sie sich zwanzig Zentimeter entfernt, auf der Spülablage.

    Da es immer kälter wurde und ich wagte mich nicht die Heizung anzumachen, ging ich auf die Strasse und überlegte, ob ich mich in den Zug hinsetzen sollte und ein paar Stationen fahren um den Anbruch der Dämmerung vom Zug zu erleben.

    Mir gegenüber saß ein blondes Mädchen. Sie war blond wie viele Mädchen, die am Samstag in der Stadt herumlaufen. Sie sind alle blond und alle haben schwarze oder blaue oder rote Kleider und die Schals um den Hals, die auch gleich aussehen. Und alle Mädchen haben ihre iPhones in der Hand und Kopfhörer in den Ohren.

    Das Mädchen im Zug hat ein schwarzes Kleid angehabt und ein Mantel oder eine Art von einem Gehrock. Sie sah trotzdem aus wie tausende Mädchen aus der Mönckebergstrasse.

    Neben dem Mädchen saß ein Junge. Er war auch blond und er hatte lange Haare, die er mit einem Gummiband zusammen gebunden hat. Seine Lippen waren schön rot aber seine Augen konnte ich leider nicht sehen, denn der Junge hatte eine große grüne Brille an. Die Brille war viel zu groß für sein Gesicht. Ich konnte ihn nicht ansprechen aber wenn er ein Freund von mir wäre, würde ich ihm im ärgsten Notfall meine kleine Brille ausleihen oder sogar geben.

    Die Brille habe ich auch in den blauen Sack eingepackt und nach oben in die Dachkammer gebracht.

    Es wäre vielleicht klüger, es nicht zu tun, keine Brillen zu verschenken und keine Bekanntschaft wieder anzufangen, die – fast wie alle – im Sand zerlaufen werden.

    Der Junge war sicherlich nicht arm und wenn ich ihm meine Brille geben würde, wäre er zu sehr eingebildet und sich unzählige Argumente sammeln, um zu denken wie hübsch er ist und sogar ein älterer Mann aus dem Zug, ihm die Brille schenkt.

    Er war nicht schön. Er war nur jung. In der Hand hielt er eine Flasche Wein. Auf dem Rücken ein roter Rucksack. Ich vermute, er war ein Idiot. Vielleicht fuhren sie weiter weg um eine Party zu feiern. Ein schrecklicher Junge mit dem lauwarmen Wein. Er behandelte das Mädchen mit der größten Verachtung und zeigte ihr nur noch seinen Hinterkopf.

    „Ich wollte einen schönen Tag haben und ich habe einen tollen Tag gehabt. Meine Mutter hat mir das Geld für die Kette gegeben und ich war mit Tina in der Stadt. Aber das interessiert dich nicht. Du rufst an um mir zu sagen, dass du den Wein gekauft hast und wie viel Geld du für diese Flasche ausgibst. Und ich soll pünktlich auf dem Bahnsteig sein.“

    Das blonde Mädchen hatte Tränen in den Augen. Der Junge stand auf und machte sich auf den Weg. Er stand an der Tür. Das Mädchen packte ihre Kopfhörer aus der Tasche aus und setzte sie in die Ohren auf. Schöne Kopfhörer. In Farbe schwarz.

    Das Mädchen zog die Kapuze fest über die Stirn und fing an zu schreiben. Der Junge mit der Brille schrieb die ganze Zeit etwas schnell auf dem iPhone.

    Die Zugtür war auf. Die Menschen sind ausgestiegen. Eine Kälte kroch mir in die Knochen, als ich sah, wie der Junge vor dem Mädchen schnell gelaufen war. Sie schrieben die ganze Zeit und der einzige, dem die Kälte nichts ausmachte, war das iPhone.

    Ich band mir mein Rosentuch vor Mund und Nase und roch mein Parfum im Seidentuch. Nicht weil es mir zu kalt war. Vor einer Ampel standen Menschen und warteten auf das grüne Licht.

    Der Idiot mit der Weinflasche stand neben mir. Das Mädchen stand fast an der Straßenkante.

    Es fiel ihr nicht leicht, aber sie streckte ihre Hand nach ihm aus und gab ihm die Kopfhörer. In Farbe schwarz.

    Das Mädchen ging gerade aus und der Junge nach rechts.

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