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    KEINE ERDBEEREN BITTE!

    Am jenem dritten August, einem ganz kühlen, sonnigen Tag, habe ich mir einen Ausflug nach Travemünde erlaubt.

    Thomas Mann verbrachte als Knabe gerade in Travemünde seine Sommerferien und sammelte seine Eindrücke in Travemünde und Lübeck. Lübeck war seine Geburtsstadt und er nannte die Stadt: „Eine geistige Lebensform“.

    Über Travemünde sagte Thomas Mann: „Mein unvergessenes Kindheitsparadies“.

    Alles war sonnig und nur ein feucht glänzender Wind überquerte die Plätze am Kurhaus und an der Strandpromenade in den Erzählungen von Thomas Mann.

    In diesem Jahr bin ich noch nicht einmal nach Travemünde gefahren. Der Sommer ist schrecklich gewesen und er lag inmitten einer großen Wiese, auf der das Gras schon seit Juni gelb und welk wurde.

    Es regnete die ganze Zeit und dann schien wieder die Sonne eine kurze Weile und die Wolken bedeckten den Himmel und alles sah aus, als ob ein Bataillon der Flugzeuge die Sonne in den Schatten gestellt hätte.

    Mir machten der Regen und das Gewitter im Moment nichts aus. Damals habe ich gelitten wenn es so schrecklich feucht war und ich war besorgt um meine schönen Spitzen an meinem Hut und farbigen Spitzen an meinen Händen.

    Heute zwingen mich der Regen und die kühle Luft da draußen, zu Hause zu bleiben und mich mit meiner Katze zu beschäftigen. Wenn ich jetzt meinen bitteren Tee trinke, kann ich nur lauschen auf das Gewitter und mich freuen wenn ich meine Augen auf meine Katze habe. Meine geliebte Billie ist schon neunzehn und kümmert sich nicht zu viel um Dinge, die ihr so wichtig in den jungen Jahren waren. Sie schläft viel an meine Beine geschmiegt und ist sehr anhänglich geworden.

    Ich möchte mit Menschen im Moment nicht zu viel zu tun haben. Es ist so komisch wenn ich nicht ausgehen kann weil ich nichts trinken darf. Der Zustand meiner Krankheit ist tragisch, denn ich darf nur ein Liter Flüssigkeit am Tag trinken. Und nicht mehr. Wenn ich doch wie ein blödes Kind mehr trinke, sammelt sich die Flüssigkeit in meinem Körper. In den Beinen - dann passen die Schuhe nicht. In den Händen und im Bauch und das Wasser muss alle zwei Tage mit den Nadeln herausgezogen werden.

    Im Frühling erinnere ich mich an Veilchen und im Sommer an Erdbeeren. Der Sommer, egal warm oder kühl, bringt Erdbeeren, die unseren Körper mit Magnesium, Kalzium versorgen, aber auch mit Kalium.

    Ich habe seit sechs Jahren keine Erdbeeren gegessen. Kalium sorgt dafür, dass Herz, Muskeln und Nerven funktionieren. Wenn ein gesunder Mensch zu viel Kalium einnimmt, ist das kein Problem, denn alles, was zu viel an Kalium beinhaltet, wird im Urin ausgeschieden.

    Nierenkranke Menschen scheiden nicht mehr aus und somit bleibt der Kaliumgehalt im Körper und lähmt die Muskeln und somit das Herz. Zu viel Kalium bedeutet der Herzstillstand. Bananen, Apfelsinen, Kirschen, Pfirsiche, Mirabellen, Weintrauben und eigentlich – ich brauche hier keine Liste der Obstsorten aufzustellen, denn alle, absolut alle Obstsorten unter dem blauen Himmel haben so eine große Menge an Kalium, dass ich mich bei einem Spaziergang durch einen Obstmarkt im Alten Land umbringen könnte.

    An einem schönen Tag im August wurde das Wetter plötzlich mild und freundlich als ich mit einem Freund von mir, den schönen und größten Isemarkt in Hamburg besuchte.

    Irgendetwas drängte Pawel, sich ein Pfund Kirschen an diesem Tag zu kaufen.

    Pawel wollte unbedingt ein Kilo Kirschen kaufen aber dann als er Angst hatte, zu viel schleppen zu müssen, überlegte er sich schnell, wie er die Kirschen Portion am rationellsten und am besten unterbringen könnte. Der Weg war lang und warm und es blieben immer noch so viele Kirschen in der Papiertüte und ich war froh als ich gedacht hatte, er wird damit vielleicht bald fertig.

    Keine einzige Kirsche dürfte ich mir ansehen und ich wünschte Pawel ganz schlechte Folgen von diesen Kirschen und bedauerte später, keine Kirsche angerührt zu haben. Eine Kirsche hätte ich doch essen können, aber ich habe gesehen, Pawels tolle Übermut und seine genusssüchtige, schwelgerische und lustvolle Art, diese Kirschen zu essen.

    Er drehte jede Kirsche zwischen seinem Daumen und seinem Zeigefinger, rollte jede Kirsche rechts und links und als er dachte, die Kirsche schien in Ordnung zu sein, legte er die Kirsche in den Mund und kaute an der Kirsche mit Vorsicht, um seine Vorderzähne am Kern der Kirsche nicht zu brechen.

    In den folgenden Minuten brachte er es fertig, nach und nach, alle Kirschen aus der Tüte gegessen zu haben und am Ende, an einem Eier-Stand auf dem Isemarkt, kam endlich die Minute des Abschieds von meinem Freund Pawel.

    Ich stieg in die U-Bahn ein und ich spürte eine freudige Erregung in meinem Körper und diese Minute war vielleicht der glücklichste Moment in meinem Leben.

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