NOTE! This site uses cookies and similar technologies.

    If you not change browser settings, you agree to it. Learn more

    I understand

    LUNGENENTZÜNDUNG, HARTE ARBEIT UND DIE VIERTE ETAGE DER SCHLANKREYE. Teil 35

    Lungenentzündung ist eine Infektion. Die Auslöser einer Pneumonie sind meist Bakterien, seltener Viren oder Pilze. Die Erkrankung kann sich in Abhängigkeit vom allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten und von der Art des Erregers sehr unterschiedlich entwickeln. Ungefähr jede 7. Lungenentzündung verläuft so schwer, dass sie stationär behandelt werden muss. Die Pneumonie ist die häufigste zum Tode führende Infektion in Westeuropa. Sie steht in der bundesweiten Todesursachen-Statistik auf Platz 5, ungefähr 3 bis 5% der Patienten sterben jährlich daran. An einer Pneumonie erkranken in Deutschland pro Jahr etwa 400.000 Menschen. In Zeiten starker Grippewellen, d.h. speziell im Winter, liegt die Zahl noch deutlich darüber. Zur Risikogruppe gehören oft Säuglinge und Kleinkinder sowie ältere Patienten über 60 Jahren und Menschen mit schweren chronischen Erkrankungen. Sie sind durch ihr noch nicht ganz ausgereiftes bzw. geschwächtes Immunsystem besonders anfällig für die Entwicklung einer Pneumonie.

    Mein großer Schatz für die Zukunft war die Entlassung aus dem Krankenhaus. Ich muss jetzt unbedingt, nach meiner Lungenentzündung und zwei Wochen im Krankenhaus einen neuen Platz auf der Erde finden. Schon heute wieder mal bin ich nicht mehr der Mensch, der ich einmal war. Woher soll ich wissen, in welche Richtung ich gehe? Meine schwere chronische Nierenkrankheit und dazu noch diese schreckliche Lungenentzündung. Ich war schon an der Kippe als der Notarzt kam und mir das Beatmungsgerät anlegte und den Krankenwagen angerufen hat. Vielleicht nach diesen zwei Krankheiten habe ich mich schon so weit von mir entfernt, dass ich es gar nicht mehr merke.

    Doktor Schanz und Christian Matschke, mein Krankenpfleger in der Schlankreye Dialysepraxis würden sich freuen mich ganz weiß im Gesicht, schmutzig und stinkend und verwandelt zu sehen. Christian Matschke wäre endlich frei von mir, denn niemand würde den Namen Christian Matschke mehr schreiben, obwohl er so nicht heißt, aber die ganze Stadt und jetzt auch die UKE wissen von ihm. Dort nenne ich seinen richtigen Namen. Christian Matschke ist der einzige Mensch auf dieser Erde, der mir Unfälle, Tod, Unbehagen und den Tod durch ersticken wünschen würde.

    Als ich kurz vor dem Tod war und nicht mehr atmen konnte, habe ich noch zwei Sachen erledigen können. Den Notarzt anzurufen und vernünftig meine Notizen in meinem iPhone hinterzulassen. Vielleicht war das sein Wunsch, Wunsch von Christian Matschke mich tot zu sehen, obwohl Christian Matschke würde mich niemals tot sehen wünschen, sondern auf meinen Grab mit Freude und Begeisterung pinkeln, spucken und mich mit schwulenfeindlichen, nazihaften Sprüchen, Hass und Wut beschimpfen.

    Ich dürfte mich überhaupt nicht darauf verlassen, jemals gefunden zu werden.

    Dieser hässliche und gehässige Mann wird sich unbedingt einen Platz eines Tages finden, an dem er einen kleinen Acker anlegen konnte. Und vor allem musste er sich dazu entschließen, mit seinem Groll, Fanatismus und Faschismus umgehen zu können.

    Ich bin mir sicher, dass mein Pfleger – Christian Matschke kann mit Gewehren hantieren und hatte sich sicherlich mit Erfolg an Scheibenschießen beteiligt, aber noch nie auf einen lebenden Mann geschossen.

    Wenn ich jetzt an diese Christina, die Stationsschwester denke, wie falsch und hinterlistig diese Frau an der Türschwelle stand als Doktor Schanz mich informierte, ich muss die Klinik verlassen, will ich nicht zu solchen Menschen gehören, denn gerade an diesem Tag, ist mir diese Frau sehr fremd geworden. Wenn ich lese, dass Krankenschwester und Krankenpfleger ein harter und anstrengender Beruf ist, muss ich sagen, dass es stimmt, nachdem ich die Krankenschwester im Krankenhaus gesehen habe. Aber es trifft nicht zu wenn ich an die vierte Etage der Schlankreye Dialysepraxis denke. „Zwölf Patienten habe ich heute zu versorgen – erzählte mir Simone im Krankenhaus. Meine anfangs gute Laune sinkt mit all den Informationen, die ich am Morgen über meine Patienten erhalte. Schnell steht fest, dass hier gar nichts geht. Bis auf drei Patienten können sich alle nicht selbst waschen, umdrehen, essen oder auf die Toilette gehen. Ich schnappe mir meine Ausrüstung - darunter Waschschüsseln, Hand- und Badetücher, Inkontinenzunterlagen - und jede Menge Windeln. Leider hat es die Wäscherei heute noch nicht zu uns geschafft, sodass ich schnell noch in vier Zimmer meiner Kollegen sausen muss, um Wäsche zu klauen. Ein Patient riecht nicht gerade gut und gerade jetzt wird er zur Untersuchung abgeholt und als ich schnell die Windelhose öffne, kommt mir schon die Duftwolke entgegen." Gib' mir nur fünf Minuten", rufe ich dem Fahrer zu, und nestle an der Windel weiter, wasche ihn im Intimbereich, wechsle die Wäsche, drehe ihn auf die andere Seite und ziehe dann eine neue Windelhose an.

    Endlich kann es losgehen. Blutdruck, Puls und Temperatur müssen bei jedem Patienten gemessen werden, bei einigen kommt noch der Blutzuckerspiegel dazu, manchen muss Insulin gespritzt werden. Andere Patienten muss ich umlagern, nach vier Stunden in der derselben Position wird es mehr als Zeit dafür.

    "Liegen Sie gut, Frau Maier?" "Guten Morgen Frau Schmitt, gut geschlafen? Nein? Warum denn nicht?"

    Die Menschen in der Schlankreye Dialyseklinik unternahmen keine großen Ausflüge mehr, denn sie alle oder fast alle hatten schon vor fünf Jahren ihre Grenzen gezogen. Sie saßen an der Rezeption und haben den ganzen Tag gelästert, geklatscht und gegessen.

    Aktuell sind 44 Gäste und keine Mitglieder online

    © 2017 MARK WOLKANOWSKI All Rights Reserved.