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    DIALYSEARZT ENTLASSEN. Teil 33

    „Ich möchte mich entschuldigen für alles was hier passierte und ich nehme alles zurück“.

    Einen solchen Satz hätte ich mir gewünscht aber ehrlich gesagt, diesen Menschen – Christian Matschke, meinem Krankenpfleger und dem Oberarzt – Doktor Schanz, niemals zugetraut. Denn - Ehrlichkeit ist ein teures Geschenk, das man von billigen Menschen niemals erwarten darf.

    Der Geschäftsführer eines Software-Unternehmens, den ich ein paar Tage coachte, hatte sich völlig mit Wolfgang zerstritten, einem hochrangigen Manager aus der Produktentwicklung. Völlig frustriert hatte Wolfgang schließlich gekündigt. In den nächsten Monaten wurde immer deutlicher, dass mein Kunde den positiven Einfluss von Wolfgang auf sein Team völlig unterschätzt hatte. Alles schien in sich zusammenzubrechen. Nachdem Wolfgang weg war, konnte mein Klient mit etwas zeitlichem Abstand die Situation analysieren.

    Aus einer kleinen Meinungsverschiedenheit war ein riesiges Problem geworden. Mein Klient erkannte, dass seine Sturheit einer der Auslöser gewesen war. Ich erinnere mich sehr gut, wie wenig Phantasie dieser Geschäftsführer, mein Kunde besaß. Genau so wenig Phantasie wie diese armselige Menschen aus der Dialyseklinik, die mich entwürdigt und menschlich herabgesetzt haben. Aber ich glaube, es ist ein Glück für solche Menschen, keine Phantasie zu besitzen. Phantasie macht den Menschen überempfindlich, verletzbar und ausgeliefert.

    Der Geschäftsführer entschuldigte sich im Vorstand für sein Verhalten und hatte dabei Tränen in den Augen. Ich war damals dabei.

    Dieser Mann war schockierend, weil ich ihn nie zuvor so gesehen hatte. In diesem Augenblick erkannte ich, wie sehr ihm der Erfolg des Unternehmens am Herzen lag und wie sehr er sich schämte. Jeder der Anwesenden konnte das sehen. Am Ende entschuldigte sich mein Kunde auch persönlich bei Wolfgang - und erstaunlicherweise gelang es ihm, Wolfgang wieder für die Firma zu gewinnen.

    Wenn wir keine Emotionen zeigen, liegt das manchmal daran, dass wir uns über unsere Gefühle gar nicht im Klaren sind. Wir sind ängstlich, frustriert, aufgebracht - und unterdrücken unsere Gefühle. Wenn uns etwas elektrisiert, motiviert oder inspiriert, zeigen wir das. Wir tun dies, ohne es zu bemerken. Gefühle scheinen weniger wichtig zu sein in der Geschäftswelt, in der Rationalität und Logik dominieren. Tatsächlich sind Gefühle nicht nur relevant - sie sind der Dreh- und Angelpunkt zu Wachstum und Veränderung.

    Selbstverständlich müssen Sie als Abteilungsleiter, Geschäftsführer, Arzt als Leiter einer Klinik, oder Vorstand beides tun: Sie müssen führen und managen. Viele Geschäftsführer und Führungskräfte und die Ärzte arbeiten rund um die Uhr und haben trotzdem das Gefühl, Ihre Arbeit nicht zu schaffen. Sie haben Angst, den Überblick zu verlieren.

    Viele sind im Hamsterrad des operativen Tagesgeschäfts gefangen. Sie arbeiten zwar viel, nehmen sich aber zu wenig Zeit für die wirklichen Führungsaufgaben. Dazu gehört Doktor Schanz aus der Dialysepraxis-Schlankreye und die Stationsschwester Christina, die bis heute nicht begriffen hat, wo meine Menschenwürde durch diesen Schwulenhasser – Christian Matschke, verletzt wurde. Mein Krankenpfleger würde mich unter die Gasdusche schicken und Christina hielt sich immer in sicherem Abstand, um nur diesen Maschinenbau-Student nicht zu verlieren, denn der Verlust von diesem Geschöpf wäre für sie gefährlich und würde ihr alle Äste der Freiheit abschneiden. „Er wird hier auf der Station bleiben! Ich bin die Stationsschwester und habe hier auch etwas zu sagen!“

    Christina war eine unbeliebte Krankenschwester. Genau wie Doktor Schanz, ein gehasster Oberarzt in der Schlankreye-Dialysepraxis. Die Patienten und das Pflegepersonal hatten ständig gelitten, denn wie dieser Oberarzt mit Menschen umgegangen ist, war die inhumanste Teufelei, die je ein kranker Mensch empfunden hat. Mein Beispiel über meinen Kunden und Wolfgang illustriert nur wie Doktor Schanz mit mir, als Patient hätte umgehen sollen. Ich leide immer noch und solange ich mich zurückerinnere, und an die Tage mit meinem Krankenpfleger denke, werde ich ständig darunter leiden. Über diese schwere Last habe ich immer verschwiegen, denn kein Mann und keine Frau hätten mich verstanden.

    Management ist das kreative Lösen von Problemen, ist das Optimieren von etwas, das bereits besteht. Beim Management geht es um Techniken, um Methoden, mit denen Unternehmensteile oder Stufen der Wertschöpfung optimiert werden.

    Vor zwei Monaten sprach ich mit einer Patientin aus der Schlankreye-Dialysepraxis.

    „Doktor Schanz ist hier rausgeflogen. Die Firma Diaverum hat ihn gebeten, sich bei dir zu entschuldigen und den Rauswurf aus der Klinik zurückzunehmen, aber der sture Bock wollte es nicht. Und so ist der Vogel jetzt frei. Sechsundfünfzig ist er erst und schon ist seine Karriere zu Ende“.

    Manchmal denke ich, es ist besser, dass es alles geschah. Denn wenn es nicht geschähe, es würde das unvermeidliche Ende nur hinauszögern und mir eine neue Last aufbürden.

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