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    JÄHZORN, MUNDGERUCH UND BERMUDASHORTS AM ARBEITSPLATZ. Teil 29

    Ich werde nie mehr die Möglichkeit haben, die Mängel und alle Schäden, die Christian Matschke, mein Krankenpfleger verursacht hat auszugleichen. Selbst wenn es mir gelingen sollte, gute Psychiater zu finden, die in den Telefonbüchern aufgelistet sind, werde ich nicht mehr dazu fähig sein, meine Wunden zu heilen.

    Man braucht sehr viel Zeit, um einen Menschen wie Christian Matschke, der Stier ist, in Wut zu versetzen. Gewöhnlich hat das Zeichen eine endlose Geduld und Gelassenheit. Wenn man aber einen Stier zu sehr zusetzt, wird man einen wütenden Stier erleben. Wie in einem Sprichwort.

    So war es auch bei Christian Matschke, meinem Krankenpfleger. Wenn er wütend war, schreckte er nicht vor körperlicher Gewalt zurück. Der Krankenpfleger hat sich aber in meinem Zimmer zurückgenommen, sicherlich aus Angst, entlassen zu werden, denn das Geld war ihm sehr wichtig.

    Daher war seine Sprache offen und verletzend. Ich weiß, wenn ich mit dem Pfleger zu Hause wäre, würde er Porzellan zerschlagen oder mir einfach einen ins Gesicht hauen. Christian Matschke wollte unbedingt meine Abhängigkeit von ihm sicher haben. Solche Menschen wie mein Krankenpfleger mögen es, wenn man an ihnen gebunden ist, denn das ist für sie ein sicherer Weg, sie zur Weißglut zu bringen. Und Christian Matschke war oft von mir bedroht.

    Seine materielle Sicherheit war unstabil. Er wusste nicht, wie weit ich mit meinen Beschwerden gehen werde. Einen unbeherrschten, bösen und heftig indignierten Menschen von dieser Sorte kann man erleben wenn seine materielle Sicherheit bedroht wird.

    „Wenn es so weiter mit Ihnen geht, Herr Wolkanowski, werde ich hier kündigen und ich suche ich mir eine andere Dialyse in der ich arbeiten kann. Ich habe keine Lust mit solchen Menschen wie Sie zu arbeiten!“

    Ich ging zur Toilette und die Tür habe ich halb offen gelassen. Ich möchte nicht zu hart über den Krankenpfleger urteilen, aber ich war mir sicher, wenn ich die Tür abgeschlossen hätte, würde er versuchen die Toilettentür einzuschlagen und aufzubrechen. Hass auf mich, Gewalt, Jähzorn und Wut überschwemmte alle seine Gefühle. Er hat im Flur, vor der Toilette laut geschrieen:

    „Es reicht mir schon! Monatelang habe ich es mit Ihnen ausgehalten. Aber länger werde ich es nicht mitmachen!“ Mein Blut geriet schon wieder in Wallung. Jährzorn erlebten wir als Zinédine Zidane, im Finale der Fußball-WM 2006 köpfte einen italienischen Gegenspieler, der ihn provoziert hatte, zu Boden. Sekunden später sieht Zidane die rote Karte. Er verlässt das Spielfeld, wieder in sich gekehrt, gesenkten Hauptes und mit feuchten Augen.

    Auch als Naomi Campbell, am Londoner Flughafen Heathrow im Chaos ihre Koffer verloren hat. Sie tritt und spuckt, als zwei Polizisten versuchen ihren Zornesausbruch zu bändigen. Sie wird vorübergehend verhaftet.

    Es war im Sommer und der August brachte schönes und beständiges Wetter. Christian Matschke stand vor mir in Bermudashorts, die über die Knie reichten. Die Hose war grün kariert. Ich war zu faul mit ihm darüber zu sprechen, aber ich wollte nichts als Frieden. Es war kein Traum. Wie immer bei solchen Gelegenheiten sprach ich mit Christina, die Stationsschwester darüber und ich verstehe nicht, warum sie ihren Mitarbeiter – Christian Matschke für diese asoziale Bermudashorts am Arbeitsplatz nicht abgemahnt hat.

    So sprach mit mir mein Krankenpfleger in der Schlankreye-Dialysepraxis.

    Als ich schon wieder draußen war und die Tür ganz weit öffnete, sein säuerlicher Mundgeruch bereite mir eine schreckliche Übelkeit und ich weiß nicht einmal, ob es giftig war oder nicht. Er roch aus dem Mund, als ob es zu gären angefangen hätte.

    „Sie riechen aus dem Mund“.

    „Soll ich mit der Hand vor meinem Mund durch die Gegend laufen?“ – brüllte mich mein Krankenpfleger klagend an.

    „Nein. Sie müssen sich die Zähne putzen. Und nicht nur putzen bevor Sie in die Klinik kommen, sondern auch die Zahnseide und die Bürstchen benutzen. Interdentalbürstchen heißen sie“.

    Es ist typisch für Stiere, die sich bedroht fühlen und wenn sie sich scheiden lassen oder trennen, werden sie sich am Auto, Möbeln oder Bankkonto so lange festhalten bis die Zähne fletschen und dann wieder die Krallen zeigen. Oder sie werden sich sogar gar nicht trennen, um in der Sicherheit zu bleiben. Eine Freundin von mir geht seit zwanzig Jahren durch die Hölle in der Beziehung mit ihrem Mann, aber trennen wird sie sich nie, denn sie und ihr Mann haben noch ein Haus im Ausland. In diesem Haus will sie wohnen wenn sie in zwei Jahren eine Rentnerin ist.

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