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    SCHWULENHASS IN DER KLINIK. Teil 27

    Ich hatte nicht mehr die Kraft gehabt, jeden Tag wieder zu beleben. Selbst zu Weihnachen, an den Tagen, an den man gewohnheitsmäßig einander mit Dingen beschenkte, kam Christian Matschke nicht in mein Zimmer. Ich versuchte ihm zuliebe fröhlich zu sein, rief seinen Namen nett mit Glanz und Zauber, weil ich als Patient hilflos ausgeliefert war, aber es gelang mir nicht, und so rief ich meinen Pfleger noch mal in mein Zimmer zu kommen, denn ich brauchte seine Hilfe.

    „Können Sie bitte die Temperatur an der Maschine ein bisschen höher stellen? Mir ist zu kalt hier. Aber nicht zu hoch bitte. Ich weiß, Sie würden die Temperatur ganz hoch stellen und mich verbrennen. Sie würden ohnehin alle schwule Männer und Juden verbrennen“.

    „Vielleicht“ – sagte Christian Matschke und verließ mein Zimmer.

    Die Einstellung zu mir, die mein Pfleger hatte, wirkte wie eine Art der Betäubung und diese Betäubung hörte bis heute nie auf zu wirken. Die Ärztin und die Pfleger in der neuen Klinik bitten mich jeden Tag, mich zu beruhigen und bereit sein, mit seinem Schwulenhass, Wut auf mich und Aggressionen fertig zu werden und endlich mal aufhören, mich damit zu befassen.

    „Sie sind bei uns in Sicherheit und solche Menschen wie dieser Pfleger werden das Haus nie betreten“.

    Manchmal überfiel mich die Angst, eine schreckliche Angst um Vergangenes, da ich diesem Pfleger – Christian Matschke, der Maschinenbau-Student ist, ausgeliefert war. Ein Freund, der mich in der Schlankreye-Klinik besuchte, brachte ständig Süßigkeiten für den Pfleger, denn er hatte Sorgen um mich und als der Krankenpfleger immer aggressiver wurde, hatte der Freund plötzlich Angst, mir wird in der Dunkelheit der Nacht eine grausame Tat passieren.

    In Russland ist ein junger Mann gequält und zu Tode gefoltert worden. Seine Leiche ist im Hof eines Hauses gefunden worden. Der junge Mann hat schwere Verletzungen an den Genitalien und sein Schädel wurde mit einem Stein zertrümmert. Die zwei Menschen hatten den Mann auch mit Bierflaschen misshandelt. Diese grausame Tat ist aus Hass entstanden, denn diese Jungs haben erstmal zusammen etwas getrunken und schlugen auf den jungen Mann ein, nachdem er ihnen mitteilte, er sei schwul. Im Jahr 1993 ist erst in Russland Homosexualität als Straftatbestand aufgehoben worden und erst im Jahr 1999 ist gleichgeschlechtliche Sexualität keine psychische Störung mehr. In Russland gibt es kaum Prominente, die sich offen oder öffentlich zu ihrer Homosexualität bekennen. Neulich gab es in Russland eine Umfrage und 43 Prozent der Befragten sind immer noch für eine Zwangsheilung oder eine Isolierung – 16 Prozent und 5 Prozent der Befragten wollen sogar eine Liquidierung. Laut Umfragen hat der Schwulenhass in Russland weiter zugenommen.

    Es war schrecklich schwer für mich mit Christian Matschke, meinem Pfleger zu reden, denn er wehrte sich ständig und als ich mich entschieden habe, ihn zum Essen einzuladen, sagte er: „Nein. Meine Intuition sagt „nein“ dazu“.

    In Wirklichkeit glaubte ich damals an das Wunder und wollte für Christian Matschke kochen und ein schönes und fröhliches Fest diesem Mann vorbereiten. Mein Blutdruck war so sehr gefährlich und ich spürte die Verkrampftheit in meinen Muskeln und jeden Abend, als ich nach Hause kam, schlug mein Herz immer schneller und ich dachte, das Gespräch mit meinem Krankenpfleger würde mir die Kraft geben, das sterbende Herz wieder zu beleben.

    Aber schon ehemaliger Polens Staatspräsident – Lech Kaczynski war ein Schwulenhasser und hat immer das Bild heraufbeschwört, dass eines Tages fünfzig Prozent der Männer „kein Interesse an Frauen mehr haben könnten und somit das Abendland dem Untergang geweiht wäre“.

    Mein Krankenpfleger – Christian Matschke, spricht mit seiner Großmutter Polnisch und seine Mutter ist eine Polin und seine aggressiv-ablehnende Haltung schwulen Männern gegenüber hat eine historische Tradition. Schon Kirchen in Polen predigen Hass gegen Schwule und Lesben. Homophobie und Gewalt gegen Lesben und Schwule breiten sich dort aus und mein Krankenpfleger – Christian Matschke wird es aus seinem Gehirn nie löschen können.

    Die Erfahrungen, die ich mit meinem Krankenpfleger gemacht habe, mussten sehr schlimm gewesen sein, und da ich wusste, wie schlecht und kalt er mich jeden Tag behandeln wird, wunderte ich mich nicht, warum mein Blutdruck durch diesen Angreifer so hoch und gefährlich wurde.

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