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    SCHÄDLICHE KOMMUNIKATION ZWISCHEN ARZT UND PATIENT. Teil 26

    Die pragmatischen Amerikaner sagen und ich finde den Satz sehr treffend: "You manage things, you lead people and you train dogs!"

    Doktor Schanz und mein Krankenpfleger sprechen kaum Englisch, dennoch hoffe ich, sie werden diesen Satz verstehen. Als Psychologe und Coach gehe ich meiner Arbeit nach und ich versuche, der Traurigkeit nicht nachzugeben.

    Niemand in der Dialysepraxis-Schlankreye versteht, was bedeutet – Emotionen zeigen. Es mag sein, dass Doktor Schanz keine Emotionen mehr hat. Diese Stationsschwester – Christina, die keine Führungsqualitäten besitzt, hat sich eingebildet, stark und souverän zu wirken. Es kam nie eine ehrlich gemeinte Entschuldigung von diesen Menschen. Ich dachte daran, dass die Arbeit für die Krankenpfleger zu schwer wurde und die Kommunikation zu eintönig war. Es hat keinen Sinn, sich gegen diesen Menschen zu wehren, denn sie kommen und gehen, und je mehr ich mich gegen sie wehre, desto grausiger werden sie.

    Diese drei Menschen, Doktor Schanz – der Leiter der Dialysepraxis, Christina und mein Krankenpfleger können gar nicht kommunizieren und benutzen eine Sprache, die einfach rundgeschliffen ist und mit fertigen Botschaften von der Stange ist, und wollen immer den richtigen Ton treffen um niemanden zu treffen. Es war alles nie authentisch, denn authentisch wäre, mich als Patient zu fragen, wie ich mich gerade fühle – aber so etwas zu hören, berührt die Person. Christian Matschke, mein Pfleger stand neben mir in meinem Zimmer und hat gepfiffen. Mein Herz tat mir weh. Vielleicht nur von der Enttäuschung, es mochte aber auch von seinem Ekel mir gegenüber oder Hass auf mich etwas zurückgeblieben sein. Christian Matschke hat sehr oft gepfiffen als er neben mir stand. Das war nichts Neues, es wiederholte sich alle zwei Tage, und ich wollte es mir angewöhnen, es nicht zu beachten, aber es gelang mir nicht. „Wenn Sie hier pfeifen, pfeifen Sie auf mich und wollen nicht mit mir reden.“ „Will ich auch nicht!“.

    Mein Pfleger verfluchte mich mit seinem Pfeifen, er wurde böse auf mich. Sein Mund blieb stehen, er hasste es, mit mir zu sprechen und sein Ticken stellte er ein. Mein Herz wurde immer mehr geschwächt. Aber darauf hat er, als Krankenpfleger wenig Rücksicht genommen. Ich musste meine Wunden drücken, damit ich den Blutfluss an meinem Shunt unterdrücke. Mein Krankenpfleger stand neben mir.

    Shunt ist so genannte Fistel, eine chirurgische Verbindung einer Vene mit einer nahe gelegenen Arterie - meist am Unterarm, indem diese aneinander genäht werden. Die natürlichen Blutgefäße des Menschen sind nicht dafür geeignet, solche Blutmengen auf unkomplizierte Weise zugänglich zu machen. In den Venen, die direkt unter der Haut liegen und daher gut zu punktieren sind, ist der Blutfluss nicht ausreichend. Die Arterien dagegen liegen zum einen in der Tiefe verborgen und sind deshalb schwieriger zu finden. Zum anderen ist eine Punktion der Arterien sehr schmerzhaft. Deshalb muss für eine dauerhafte Dialyse operativ ein spezieller Gefäßzugang geschaffen werden, ein so genannter Shunt (engl.: Nebenschluss, Parallelleitung).

    Die Kommunikation zwischen meinem Krankenpfleger und mir endete damit, dass dieser Maschinenbau-Student konnte nie sagen, was er eigentlich meinte. Christian Matschke ist so schrecklich ungebildet, dass er die Frage – „Was ist Ihr Hobby?“ – nicht richtig beantworten konnte. Yasemin stand neben Christian in meinem Zimmer und wusste, dass ihre kleine Tochter mit der Antwort keine Schwierigkeiten hätte. Dieser Krankenpfleger hätte mich dort, im Zimmer sterben sehen, aber den Zusammenhang schien er nie zu begreifen.

    Alle diese Menschen verbergen ihre Gefühle, um die Kontrolle zu behalten und stark auszusehen. So wollen sie alle Probleme der Patienten vom Hals halten. Aber in der Realität führt derartiges Verhalten dazu, dass diese Pfleger die Kontrolle verlieren und ihre eigene Professionalität schwächen, weil sie sich selbst lähmen. Christina redete oft um den heißen Brei herum. So scheiterte sie daran, eine echte Verbindung zu ihrem Gegenüber aufzubauen, überzeugte wenig Patienten und kommunizierte nicht effektiv.

    „Wissen Sie, Herr Schanz, ich fahre Rad und ich habe immer Angst, dass ich Muskelkrämpfe bekomme, denn durch Flüssigkeitsmangel und Überschuss an Kalium kann es zum Herzstillstand führen“.

    „Wir empfehlen allen unseren Patienten Sport zu treiben. Yoga ist sehr gut. Alle Arten von Sport. Wir wollen sogar Trainingscenter einrichten, damit unsere Patienten Sport treiben.“

    Meine erste Reaktion war Ärger und Schrecken. Dieser Gedanke ließ ein Gefühl der Leere in mir aufkommen und ich dachte, es wäre so als ob ich auf den Zug nach Paris auf Gleis 6 wartete, nahm aber den Zug vom Gleis 8 nach Brüssel.

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