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    SO WAHR MIR GOTT HELFE! Teil 15

    "Ich schwöre bei Gott, dem Allmächtigen und Allwissenden einen reinen Eid, dass ich über alles, worüber ich hier schreibe und allen erzähle, die reine und volle Wahrheit und nichts als die Wahrheit ausgesagt habe (aussagen werde), so wahr mir Gott helfe!"

    Wenn mein Oberarzt, Doktor Schanz in meinem Zimmer erscheint, vergesse ich worin seine Einmaligkeit liegt, denn er leistet sich Sätze, die ich einfach verabscheue.

    Heute kam der Oberarzt in mein Zimmer und unternahm schon wieder große Vorstöße in diese Richtung und ließ nicht davon ab, aus Schüchternheit oder Patientenschutz oder weil es ihm zu mühsam war, mit mir wie ein Mensch zu Mensch zu reden. Mir war das jedenfalls sehr unangenehm, denn wenn er mit mir reden könnte, hätte mich das alles nicht in die Verlegenheit versetzt. Er hat aber mit mir nicht geredet, sondern mich gehetzt, ein wahrhaft großer Mann, weil ich lag wie ein Opfer im Bett, und er hat mich wieder von schrecklichen Ängsten geplagt und von allen Seiten überfordert.

    „Ich bekam einen Anruf aus München von der Firma und sie berichteten, Sie würden sie benachrichtigen über Ihren Blog. Eins müssen Sie wissen, von der Firma bekommen Sie keine Lösung, denn die Lösung liegt hier im Hause und sollten Sie weiter den Namen der Firma erwähnen, wird das Vertrauen zwischen Ihnen und uns, hier im Hause zerstören“.

    Ich ging meiner Arbeit am Computer nach und versuchte, die Traurigkeit nach der Bedrohung vom Arzt nicht nachzugeben, die mich überfallen hatte. An diesem Tag gab es sonst keine Visite von den Ärzten und ich erwartete von Doktor Schanz eine Frage nach meinem Behagen. Mir war es kalt und unwirtlich nach seinem Besuch und es war nicht leichter zu ertragen als seine Bedrohung. Doktor Schanz fragte mich nicht mal, ob ich Tabletten brauche. Heute erwachte ich in der Dämmerung und bliebe ich liegen, denn ich hatte keine Nephrotrans-Tabletten. Diese Tabletten sind ein Mittel zur Behandlung der Übersäuerung des Blutes bei Patienten mit Niereninsuffizienz. Sechs Tabletten am Tage muss ich einnehmen und bis ich wieder in der Klinik bin, werden die zwei oder die drei Tage, bis ich dieses Mittel bekomme, einfach dahinschlichen. Der Oberarzt verließ sofort mein Zimmer wie ein Papst oder wie die Stars die Bühne verlassen, aber selbst Barbra Streisand winkt beim Verlassen der Bühne ihren Fans freundlich und herzlich zu.

    Seit einem Jahr warte ich auf eine Lösung von der Klinik in Hamburg und mir wurde ganz klar, dass die Firma in München damit nichts zu tun hatte. Dieses Gespräch zog sich dahin, wie es eben in einem Krankenhaus üblich war, und ich konnte es nicht verstehen, was meine Ungeduld manchmal zügelte, warum die Menschen, die in der Leitung stehen, es nicht als notwendig empfinden, die Lösung zwischen meinem Krankenpfleger und mir einzustimmen.

    „Das was Sie schreiben, hat eben die Grenzen der Geschmacklosigkeit erreicht“ – sagte der Oberarzt zu mir.

    Seine Sätze zerrten in mir, und etwas wollte mich zwingen zu heulen. „Geschmacklosigkeit“ – es zerrte an mir, als wollte es mich in Stücke reißen. Der Oberarzt konnte sich mit unfassbaren Erfahrungen nicht abgeben. Er wollte nicht verstehen, dass ich in eine ganz schlimme Lage geraten bin und alles, was seine Mitarbeiter, vor allem Christian Matschke mir angetan hatten, zerstörend, gesundheitsschädigend, eiskalt, herzlos und eben geschmacklos für mich gewesen war.

    Seine Mitarbeiter waren es, die mich dazu brachten, nur noch eine dünne Haut über einen Berg von Erinnerungen zu sein. Was soll mit mir geschehen, wenn diese dünne Haut reißt? Aber wenn ich zurückblicke, konnte ich alles von einem Tag bis heute sehr gut verfolgen. Christian, mein Krankenpfleger hat sich geärgert, denn er verstummte, als ich ihn fragte, ob er sich wirklich belästigt fühlt, wenn ich ihn etwas frage und ob er sich echt unwohl in meiner Gesellschaft gestört vorkommt.

    Ich weiß nicht genau, was die Wahrheit ist. Christian Matschke, mein Krankenpfleger hat alle diese Sätze von den Ärzten vor meinem Bett abgestritten und versicherte plötzlich in meinem Zimmer, es würde ihn nur müde machen und ich könnte Christian manche Fragen stellen. Nicht alle, er wird sich überlegen, ob er darauf eingehen wird und das alles, was die Ärzte mir erzählen, eine reine Verrücktheit wäre, eine reine Täuschung und ich müsste verstehen, wie sein eigener Herzschlag dröhnte.

    Eine leichte Erleichterung durchzuckte mich als mein Krankenpfleger, Christian Matschke, seitdem ich den Bericht schreibe, in mein Zimmer kommt und mir meinen Kaffee bringt, mir meine Musik einrichtet und sich angewöhnt, mit mir wenigstens zwei Sätze zu reden.

    Er befahl mir ständig, liegen zu bleiben, seinen Namen zu rufen wenn ich etwas will, oder die Klingel zu betätigen.

    Der Oberarzt, Doktor Schanz muss eine Lösung finden, denn es kann einfach nicht wahr sein, derartige Unstimmung zwischen zwei Menschen, die geschehen ist, und wenn sie geschehen ist, soll sie nicht in einem zivilisierten Land wie Deutschland passieren. Ich weiß, wie lächerlich dieser Gedanke ist, aber da ich fast jeden Tag in dieser Klinik liege, werde ich es nicht verschweigen.

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