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    ROBOTER ALS KRANKENPFLEGER. Teil 11

    Mein ganzes Leben lang habe ich damit verbracht, mich mit den Problemen der anderen Menschen herumzuschlagen.

    Nun, da ich jetzt so krank bin und daher nichts mehr besitze, nicht mal die Gesundheit, darf ich in Frieden auf der Bank in einem Park sitzen und den Sternen zusehen. Den Sternen auf dem schwarzen Firmament zusehen und sich vorstellen, wie sie Tango und Walzer zusammen tanzen.

    Es ist nicht so, dass ich mit meinem Krankenpfleger Tango, Walzer und Samba tanzen wollte. Man tanzt nicht mit hässlichen Menschen. Hässliche Menschen sind die, die sich nicht öffnen können und ihre Gefühle nicht zeigen wollen. Hässliche Menschen können auch nicht lieben. Du wirst nie ein anderes Wesen lieben, Christian. Weder eine Katze, noch einen Menschen. Du bist so kalt und so gefühlsarm. Du hast keine Ahnung was für ein sehr mühsames Geschäft es ist, zu lieben oder einem kranken Menschen die Wärme zu zeigen. Es ist viel schwerer, als einen kranken Mann zu zerstören und ihn seelisch zu quälen. Einen Sohn aufzuziehen dauert achtzehn Jahre, diesen Sohn zu töten dauert zwanzig Sekunden.

    Im Traum hätte ich nie gedacht, dass sich mein Pfleger, Christian Matschke so weit von mir entfernt, wie es einem Menschen überhaupt möglich ist und seit einem Jahr spüre ich, dass dieser Zustand für mich nicht auszuhalten ist. Wenn ich noch am Leben bleiben will, wenn ich noch etwas für meinen Blutdruck tun möchte, müsste sich etwas ändern, sonst werde ich nie verstehen, was in der Klinik über mich gekommen war.

    Christian arbeitete wie ein Roboter. Er tat dies und ging dorthin und vergaß nicht, das zu tun.

    Er trug die Flaschen nach unten, nahm die Mülltüten mit in der Karre und kam zurück nach oben. Er richtete mir meine Musik mit meinem Sony Minidisc ein und zwischendurch, zog er die Nadeln aus einem Körper raus.

    Ich bin ein schlechter Roboter, immer noch bin ich ein Mensch, der denkt und fühlt und ich werde mir beides nie im Leben abgewöhnen können. Deshalb liege ich hier in der Klinik und schreibe alles auf, wie es in diesem Krankenhaus geschehen ist, und es ist mir egal, ob die Ärzte, die Schwestern oder Christian Matschke diese Berichte auf dem Bildschirm sehen werden oder sich ständig beim Oberarzt über meinen Blog beschweren.

    „Christian kann mit mir reden wenn es ihn stört, wenn ich diesen Bericht schreibe“ – sagte ich zu dem Oberarzt.

    „Nein. Ich habe Christian empfohlen, mit Ihnen darüber nicht zu reden, denn es gibt keinen Raum für die privaten Gespräche zwischen Ihnen und Christian“.

    Immer wieder wenn ich solche Äußerungen oder Verbote von diesem Oberarzt höre, wird mir schwindelig und ich zittere an meinem Körper und vergesse einfach die Tage und ich weiß nicht wirklich, ob heute der fünfzehnte August oder schon der dritte September ist.

    Ein Jahr lang habe ich durch meinen Pfleger gelitten und dadurch sind mir viele Tage in meinem Leben abhanden gekommen.

    Wenn ich positiv denken soll, muss ich sagen, dass diese hässliche Menschen in der Klinik haben unter anderem auch meine Langeweile in diesem Krankenhaus getötet.

    Fünf Stunden, drei Mal in der Woche sind eine sehr lange Zeit und ich litt mein Leben lang unter Langeweile und schon als Kind konnte ich nicht zehn Minuten allein bleiben. Ich war ganz betäubt von Langeweile. Es war mir nie möglich, ihr zu entfliehen.

    Mein Krankenpfleger hat mich ein Jahr lang seelisch gequält und er hat bis heute keine Ahnung, dass er mir durch seine Verletzungen Schmerzen bereitet hat. Heute wundere ich mich über nichts mehr. Vielleicht war Christians Hass auf mich auch nur der letzte verzweifelte Versuch eines gequälten Menschen, der loslassen wollte, loslassen oder einfach wahnsinnig werden.

    Mit der Ärztin habe ich mich immer sehr gut verstanden und ich war froh darüber. Vor einem Jahr, es war ein schöner Herbsttag und der Abend war sehr mild an diesem Tag, waren wir zusammen in einem kleinen Restaurant und aßen zu zweit die Köstlichkeiten, die uns ein Freund von mir und ein Sternekoch zugleich, orientalisch angehaut, zubereitet hat.

    Manchmal muss ich es trotzdem trennen. Der Abend war sehr interessant, aber als die Ärztin den Krieg zwischen Christian und mir nicht schlichten konnte und Christian teilte ihr mit, dass er in mein Zimmer nie mehr kommen will, ging es mir körperlich schlecht und ich lag ein paar Abende in meinem Bett, lang ausgestreckt und versuchte mich zu beruhigen. Mir war ganz übel und in der Nacht schlief ich sehr schlecht und als ich früh am Morgen erwachte, fing ich an mich zu übergeben.

    An jenen Tag erinnere ich mich sehr deutlich. Der Himmel und die schöne Landschaft, die ich aus meinem Fenster sah, gewann eine Klarheit und mir wurde bewusst, wer ich war.

    Ich rief den Oberarzt an.

    „Ich möchte mit Herrn Schanz sprechen, denn wir müssen die Situation oben, auf der vierten Etage klären“.

    Seine Sekretärin sagte: „Aber da ist nichts zu klären. Wenn Christian in Ihr Zimmer nicht kommen will, dann will er nicht und wir können daran auch nichts ändern. Aber ich werde Doktor Schanz gleich sehen, er macht jetzt die Visite, und dann rufe ich Sie an“.

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