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    ÄRZTLICHE VERORDNUNGEN TREFFEN ZUM NUTZEN DER KRANKEN. Teil 9

    Ich bin angewiesen auf spärliche Berichte, spärlich, weil ich damals nie damit rechnete, diesen Bericht zu schreiben aber in der Zwischenzeit passierte so vieles und ich kann keine Romane schreiben.

    Ich fürchte, dass sich in meiner Erinnerung nicht viel veränderte, als ich es wirklich in der Klinik erlebte.

    Spärlich, weil ich einfach Angst habe, diesen Blog zu schreiben. Dazu hätte ich viel mehr sagen können, aber die Ärzte bedrohen mich in diesen Tagen und ich schaue nur noch, wie ich die wichtigsten Ereignisse aufschreiben werde.

    Wenn ich diesen Bericht schreibe, weiß ich genau, dass es keiner da ist, der für mich denken und sorgen wird.

    Mein Pfleger, Christian leugnet alles jedes Mal und er wird denken, dass diese Berichte eine reine Phantasie sind. Mir und anderen Menschen gegenüber manifestiert Christian eine blande Verleugnung und über die Widersprüchlichkeit seines Verhaltens und Erlebens scheint Christian Matschke überhaupt nicht betroffen zu sein.

    Mein Oberarzt, oder besser gesagt, der Oberarzt, denn ich habe gar keinen Vertrauen zu diesem Mann und ich möchte ihn nicht „mein Oberarzt“ nennen, gibt mir ständig das Gefühl, dass ich mich fürchten soll.

    Die Schwester Yasemin plauderte mit mir, als plötzlich der Oberarzt in mein Zimmer kam.

    „Lassen Sie uns bitte alleine“.

    Yasemin ging schnell wie eine Katze aus dem Zimmer raus und der Oberarzt schob die Tür von meinem Zimmer zu.

    Wie im Gefängnis fühlte ich mich und mein Blutdruck stieg auf Zweihundert.

    Ich trage ein Kreuz auf meiner Brust und als der Arzt die Tür von meinem Zimmer bis zum Anschlag schob, nahm ich das Kreuz mit heilenden Steinen in die Hand und betete, dass der Arzt die Tür für mich nicht für immer versperrt.

    „Die Situation spitzt sich hier im Hause zu, Herr Wolkanowski. Vier Leute, vier, vier, vier waren es und der Christian, die sich bei mir beschwert haben“.

    Er zeigte mir seine vier Finger auf der linken Hand und fuhr fort:

    „Ich muss Ihnen sagen, wenn es so weiter geht, kann es sein, dass es einen Einfluss auf Ihre Behandlung hier im Hause haben wird oder wenn es so weiter mit Ihrem Blog geht, müssen Sie vielleicht ein paar Häuser weiter ziehen“.

    Diesen Ausdruck – „ ein paar Häuser weiter ziehen“ kenne ich eigentlich nicht.

    Wenn manche Albaner oder manche Luder auf dem Kiez diesen Ausdruck benutzen, verstehe ich sehr gut wie sie es meinen, und wie sie mit ihren, für sie schmutzigen Figuren umgehen. Aber ein Arzt?

    Mehrere Menschen habe ich befragt, wie sie den Satz von dem Oberarzt verstehen und viele sagten: „Vielleicht war es ein Mord. Ein paar Häuser weiter ziehen bedeutet – in ein Leichenhaus zu ziehen, denn ein Leichenhaus ist gewöhnlich nicht weit entfernt von der Klinik. Das sind eben nur ein paar Häuser weiter“.

    „Sie müssen verstehen, ich muss meine Mitarbeiter schützen“.

    Der Arzt hat den Eid des Hippokrates auf sich genommen. Trotzdem fürchte ich mich.

    „Ich werde ärztliche Verordnungen treffen zum Nutzen der Kranken nach meiner Fähigkeit und meinem Urteil, hüten aber werde ich mich davor, sie zum Schaden und in unrechter Weise anzuwenden“.

    Immer wieder wenn er in mein Zimmer kommt, kriecht die Angst auf mich zu und ich muss gestehen, da ich krank bin, will ich nicht warten, bis sie mich erreicht und überwältigt.

    Ich bin ganz allein da, der für mich denken und sorgen muss und irgendwie muss ich diese schreckliche Zeit in der Klinik und vor allem die kaltherzige Zeit mit Christian überstehen.

    Vorgestern lag ich nicht in meinem Einzelzimmer. Christian war im Urlaub und manche Patienten wurden deswegen, aus Personalmangel in die Säle verlegt. Mit fünfzehn kranken Menschen lag ich im Saal.

    Ein Arzt kam zur Visite.

    „Ich bewundere Sie, weil Sie sich so viel Zeit für die Patienten nehmen. Als ich vier Fragen an den Oberarzt stellen wollte, unterbrach er mich und sagte: „Behalten Sie die restlichen zwei Fragen für meine nächste Visite“. Darüber werde ich auch schreiben“.

    „Nichts wird im Internet geschrieben! Wir haben es mittlerweile alle mitbekommen. Unterlassen Sie es! Wir sind erwachsen genug!“.

    Er wurde rot im Gesicht. Damals merkte ich erst, dass dieser Arzt zu einem Stück meines kranken Lebens geworden war. Seit der Bedrohung, sehe ich diesen Menschen mit Angst und keine gewisse Ruhe und keine Heiterkeit mehr kommt über mich.


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