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    PFLEGER HÄLT ES MIT DEM PATIENTEN NICHT AUS. Teil 8

    Heute, Ende August, schreibe ich meinen Blog weiter. Ich schreibe alles genau, wie es passierte und wie ich es empfunden habe und wie die Menschen in der Klinik mit mir umgegangen sind.

    Christian Matschke hat meine Zeit im Krankenhaus und auch danach, so schrecklich durcheinander gebracht, dass ich mich vor einem Jahr dringend an das Balint Institut in Hamburg wenden musste.

    Christian hat aus meiner Zeit im Krankenhaus und auch aus meinem Leben, wortwörtlich eine Achterbahn gemacht.

    Das Balint Institut vermittelt Psychiater und Psychologen an die Menschen, die Hilfe suchen und Diagnostik, Beratung und Vermittlung und geeignete psychotherapeutische Behandlung brauchen.

    Ich bin selbst Psychologe und mein ganzes Leben lang half ich Menschen, die in die Sackgassen ihres Lebens geraten waren.

    Nun diesmal verlor ich meine eigene Uhr. Eine schöne Uhr aus Gold. Und damit auch ihre Zeit. Ich verlor mich selbst und immer wieder, als Christian meine Wolldecke vom Boden aufhob:

    „Hier ist Ihr Fußabtreter!“ – fühlte ich mich weniger als ich es selbst war. Er warf die Decke auf meine Schuhe mit schrecklichen Aggressionen.

    Warum er die Wolldecke „Fußabtreter“ nannte, war mir ein Rätsel. Mag sein, weil ich im Bett mit den Schuhen lag.

    Abends, als ich zu Hause in meiner Küche saß, weinte ich vor Zorn und Enttäuschung, und dann versuchte ich mich zu beruhigen und sprach den ganzen Abend mit mir, im Glauben, ich spreche mit Christian.

    Alle meine tiefsten Verletzungen und Narben in meinem Herzen, Kummer und Verzweifelung hat mir Christian Matschke mit seinen Aggressionen und seiner Gewalt herbeigeführt. Niemand auf dieser Welt braucht mir Sätze: „So wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus“ in meine Ohren zu flüstern.

    Ich bin sehr krank, ich bin schwach, machtlos, fassungslos und sprachlos und ich fühle mich wie ein Opfer wenn Christian mir seinen ausgestreckten Zeigefinger hochhält:

    „Wissen Sie! Mein Problem ist, ich muss noch monatelang mit Ihnen hier aushalten! Solange ich studiere! Das ist mein Problem!“

    Ich hasse Christian nicht, aber dafür was er mir angetan hat, hasse ich die Menschen.

    Wie kann ich unabhängig sein und frei denken, wenn ich immer von solchen Menschen abhängig und an sie gebunden bin? Wie kann ich an einen Menschen glauben, wenn mein dickes Blut an seinen Händen haftet und er sich trotzdem vor mir ekelt und mich ablehnt?

    Mein ganzes Leben lang wünschte ich mir einen Sohn groß zu ziehen, aber wenn ich sehe wie kaltherzig mein Pfleger mich behandelt, möchte ich nicht mal im Traum Kinder zur Welt bringen.

    Das ganze Leben habe ich mit Katzen verbracht. Wenn ich an meinen Pfleger denke, der Angst vor meiner Nähe hat, an seine zukünftige Frau und seine Kinder, wünsche ich mir nur noch mit ganz fremdartigen, pelzigen Geschöpfen zu leben. Mit Katzen, Hunden, Löwen, Kälbern und Bären.

    Es gibt nichts, absolut nichts an ihnen, was mich erschrecken oder abstoßen könnte.

    Wünsche mir keine andere Krankheit, Christian. Und wünsche mir nicht, ich wäre tot.

    Ich habe meine geliebte Katze in den Händen gehalten als die Ärztin mein kleines Kind einschläfern musste.

    Wahrscheinlich werde ich nicht lange genug leben und damit wirst Du befreit sein.

    Aber Du fühlst ohnehin nichts. Du empfindest nur das Gefühl der Leere. Du hast jeden Bezug zu Dir selbst und zu Deinem Körper verloren. Du weißt nicht mal wie viel Du wiegst.

    Du bist so ein Egal-Typ. Dir ist alles egal. Nichts hat mehr eine Bedeutung für Dich.

    Egal, ob Dir Gutes oder Schlechtes passiert, denn Dich bewegt nichts mehr.

    In Deinen Jahren, Du bist fast dreißig, soll man eine Lebensfreude empfinden.

    Die Lebensfreude hast Du verloren und alles, was damals Dir eine Freude bereitet hat, verliert heute an Bedeutung. Daher die Interaktion mit mir, die nicht möglich war.

    Du hast immer noch nicht begriffen. Ich bin ein einfacher Mensch, der seine Welt durch Deine Verletzungen und Wunden verloren hat und jetzt gerade auf dem Weg ist, eine neue Welt zu finden. Dieser Weg ist sehr schmerzhaft und noch lange nicht zu Ende.


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