NOTE! This site uses cookies and similar technologies.

    If you not change browser settings, you agree to it. Learn more

    I understand

    EIN HERZ BITTE UND EINE KLEINE NIERE. Teil 7

    Die Krankenschwestern verdienen nicht viel Geld. Es ist traurig.

    Meine Manager, die ich coache fahren mich mit ihren Autos und sogar mit ihren Fahrer in die besten Restaurants der Stadt, um Austern, Kaviar und Champagner zu verkosten. Und das alles in der Pause, die wir uns nach einem schweren Vormittag leisten.

    Es tut mir leid, wenn die Schwestern schon um vier Uhr früh aufstehen, damit sie den ersten Patienten um sieben Uhr an die Maschine anschließen müssen.

    Um zwölf Uhr werde ich angezapft und bleibe bis achtzehn Uhr in meiner „Zelle“.

    Wie ein Gefangener auf Freigang fühle ich mich seit zwei Jahren.

    Die Schwestern bemühen sich um mich. Die medizinische Versorgung ist gut. Sie punktieren mich, schließen meinen Computer an und ich bekomme einen Kaffee zwischen durch.

    Im Krankenhaus möchte ich nicht essen, also schneiden die Frauen eine Banane und Apfel für mich, denn mit einer Hand ist es nicht einfach eine Banane zu öffnen oder einen Apfel zu zerstückeln.

    Dialyse Patienten bitten die Pfleger um jede Kleinigkeit. Fenster aufzumachen, Kaffee zu bringen, Decke über deine Füße einzurichten, dir einen Kopfkissen zu bringen oder wenn es dir zu kalt ist, die Temperatur an der Maschine höher zu stellen.

    Das Wort „bitte“ ist ein magisches Wort für mich geworden. Wie oft wollte ich, dass Christian mir einen Kaffee bringt.

    „Christian. Ich möchte einen Kaffee“.

    „Wenn Sie noch „bitte“ sagen, dann ja“.

    Heute wiederhole ich das Wort „bitte“ mehrere Male in einem Satz.

    Ich möchte nie mehr von Christian angegriffen werden.

    Diese Erzählung ist die traurigste Geschichte meines Lebens und ich schreibe diesen Blog nicht aus Freude am Schreiben. Ich muss schreiben, sonst werde ich den Verstand verlieren.

    Zu Weihnachten schenkte ich allen Schwestern kleine Sachen zum Fest und damit zeigte ich ihnen meine Aufmerksamkeit für die Arbeit.

    Die Spannung zwischen Christian und mir ist gerade an Weihnachten sehr schwierig geworden und Christian Matschke war nicht bereit, mit mir zu reden.

    Mein bester Freund Frank besuchte mich kurz vor Weihnachten in der Klinik.

    „Und wie lange musst Du noch studieren? Freundin schon?“ - fragte Frank den Pfleger.

    „Ich möchte hier keine privaten Gespräche führen“ – teilte er meinem Freund mit.

    „Weder über meine Familie, noch welche Unterhose ich trage. Das hier ist nur mein Job, sonst nichts“.

    Alles um mich herum und alles in meiner Umgebung wurde von Christian abgelehnt.

    Frank hat für Christian eine Schachtel Pralinen als kleine Aufmerksamkeit gebracht.

    Christian ging früher nach Hause und als ich nach der Dialyse an der Rezeption vorbeiging, sah ich die Pralinenschachtel dort liegen.

    Es tat mir weh. Christian hat die Pralinen am Tisch gelassen.

    Sicher habe ich es Christina erzählt.

    „Christian mag keine Süßigkeiten“.

    An diesen Weihnachten schenkte ich Christian auch ein paar Kleinigkeiten in einer süßen, handbestickten Schatulle. Ich legte dazu einen Brief. Diesen Brief habe ich auf Polnisch verfasst, denn mein Stiefvater stammt aus Polen und Christians Großmutter mit ihm Polnisch spricht und sogar seine Mutter auch eine Polin ist.

    Die schwarze Tinte füllte die Zeilen auf:

    „Lieber Christian, ich möchte so gern alle unsere schweren Sachen in einem Schrank verstecken. In einem alten, tiefen Eichenschrank. Und die schwersten Sachen möchte ich in eine Schublade hinlegen und die, die noch schwerer sind, möchte ich aufhängen.

    Ich möchte den Schrank zumachen und den Schlüssel einem alten, grauen, weisen, lieben und klugen Freund geben.

    Erst dann werde ich Dir als ein ehrlicher, nicht ganz so müder und erschöpfter Freund in die Augen sehen können“.

    Zwei Tage später, mit einer großen Spannung fragte ich Christian: „Und haben Sie meinen Brief gelesen, Christian?“

    Der Brief war meine Offenbarung und ein Stück Herz an meinen Pfleger mit dem ich mich für immer versöhnen wollte.

    „Nein. Habe ich nicht. Ich kann kein Polnisch lesen“.

    Christian, ich habe mir ein Jahr lang nichts gewünscht. Dir habe ich mein Leben in die Hand gegeben und wenn ich mir etwas wünschte, war es nur ein Stück Herzlichkeit von Dir.

    Bitte, ein Stück Herz von einem Pfleger für einen Patienten ohne Nieren.

    Aktuell sind 1795 Gäste und 25 Mitglieder online

    © 2017 MARK WOLKANOWSKI All Rights Reserved.