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    UNTERLASSENE HILFELEISTUNG. Teil 6

    Christina, die Stationsschwester und Sternzeichen Krebs, erträgt mitmenschliche Enttäuschungen sehr schwer. Ein Verlust ist für sie das Schlimmste was ihr passieren könnte. Daher stand sie hinter Christian Matschke und konnte sich nie vorstellen Christian zu verlieren.

    Krebse investieren unheimlich viel in die Beziehungen und in die Sicherheit. Christian war ihre Sicherheit, die sie nie verlieren wollte, denn eine neue Schwester auf der Station würde Christina Angst und Unsicherheit in ihrem Beruf einjagen.

    Trennung und Abschied hinterlassen bei Krebsen Wunden, die sich nur schwer oder nie heilen werden.

    Um einen Partner, egal privat oder beruflich, von Christina zu trennen bedeutet, diese Frau zu vernichten.

    Ihr fehlte die Härte im Beruf, deshalb verließ sie oft die Station, um der Realität zu entfliehen.

    Solche Menschen wie sie lieben es, sich in die Phantasiewelt zurückzuziehen.

    Mutterbild ist für Christina ganz besonders wichtig und ihre sehr belastende Muttererfahrungen führen hier leichter als sonst zu Fettsucht. Christina – ich kenne sie schon zwei Jahre – ist immer dicker geworden.

    Christina erweckte in mir Schuldgefühle, die mich straften.

    Erstmal verbot sie Christian in mein Zimmer zu kommen und dann - ihr nächster Fehltritt war, ihre mangelhafte Bereitschaft, diesen dramatischen und tragischen Konflikt zwischen Christian und mir zu schlichten.

    „Nein, ich werde hier nichts schlichten. Er kommt nie mehr in das Zimmer! Ab heute herrscht Ruhe auf der Station“.

    Die Schwester Yasemin aus Afghanistan zog die Nadeln aus meinem Arm. Der Dialyse Patient muss die Tupfer auf den Wunden so lange drücken, bis das Blut nicht mehr läuft.

    In der Zeit steht der Pfleger neben Dir und überwacht den Vorgang.

    Yasemin hat mich alleine gelassen, weil sie zu einem anderen Patienten eilte und meine Wundstellen haben sich geöffnet und geblutet.

    Das Blut lief auf den Boden und ich rief um Hilfe.

    Christian stand im Flur und sagte: „Ich mache heute eine Ausnahme und werde Ihnen helfen“.

    Zwei Tage später das Blut lief mir an der Hand herunter, die Tupfer waren komplett durchtränkt und als ich um Hilfe rief, kam Christian an die Schwelle: „Die Schwester kommt gleich“.

    Christian hat mich alleine gelassen und half mir nicht. Das Blut lief aus meinen Wunden. Ich habe zehn Minuten gewartet, bis die Schwester Yasemin in mein Zimmer kam.

    Ich habe Christina zwei Tage später davon erzählt.

    „Warum kam Christian am Montag, um das Blut zu stoppen und am Mittwoch nicht mehr?

    Das ist doch eine unterlassene Hilfeleistung“.

    „Nein. Das ist das nicht! Am Montag war eine Ausnahme und eine Ausnahme ist nur einmal. Nicht zweimal und nicht dreimal. Das war sein Fehler, dass er am Montag in Ihrem Zimmer war. Aber sehen Sie wer hier Probleme macht? Sie und nicht er! Sie fangen mit dem Theater wieder an“.

    Sie ging aus meinem Zimmer heraus und ich fühlte mich bestraft und alleine gelassen wie damals. Wie damals als meine Mutter mich bestraft hat und mich alleine gelassen hat.

    Ich habe mich ins Bett verkrochen und habe geweint. Die Pfleger haben es nicht gehört.

    Viele Menschen, die an einer unheilbaren Krankheit leiden fragen sich: „Gott, warum ich?“

    Die Frage habe ich mir nie gestellt. Ihr seid dumm, tja, deshalb bin ich nicht religiös, denn Euer Gott ist ein Arsch.

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