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    KRANK UND SCHWUL IM JAHR 2013. Teil 4

    Niereninsuffizienz und Dialyse als Folge, ist eine intime Krankheit.

    Es war eine unheimliche Freude für mich, zwei Mal im Jahr meinen Zahnarzt aufzusuchen.

    Im Vergleich zu meinen langen Stunden, die ich hier im Krankenhaus verbringe, bedeutete eine Visite beim Zahnarzt ein Aufenthalt auf dem Mars.

    Meinen Zahnarzt habe ich immer umarmt als ich seine Praxis betrat, denn er ist ein Mensch mit Herz und Seele.

    Auf seinem Knie hielt ich meine Hand während er mich behandelte. Es war ein Zeichen der Sicherheit und Geborgenheit für mich.

    Trotzdem habe ich mich dort benommen, als ob man ein Tier enthäutet und dazu noch am lebendigen Leib.

    Heute liege ich im Krankenhaus jeden Montag, jeden Mittwoch und jeden Freitag jeweils fünf Stunden.

    Diese Krankheit ist eine Offenbarung an die Pfleger und die Schwestern, die mich behandeln.

    Viele Menschen sind durch die Dialyse impotent geworden. Manche Patienten haben durch das lange Liegen Hämorrhoiden bekommen.

    Ein Großteil der Patienten pinkelt nicht mehr, denn die Nieren es einfach nicht mehr schaffen.

    Gerade am Montag, nach einem Wochenende erscheinen die Patienten hier in der Klinik mit drei oder sogar fünf Liter Wasser im Körper. Das überschüssige Wasser wird aus dem Körper über die Nadeln entzogen.

    Christian Matschke weiß über alles Bescheid.

    Es ist eine unheimliche Peinlichkeit für einen Patienten wenn man sich mit Krankenhauspersonal zufällig in der Stadt trifft.

    Stelle es Dir vor, Du stehst vor Christian Matschke in einer Bar und er denkt: „Sie haben Hämorrhoiden und pinkeln nicht mehr. Sie kriegen auch keinen hoch, aber Ihren Auftritt hier auf dem Kiez mit Hut und Stock finde ich trotzdem super“.

    Wenn das alles auf mich zukommt, werde ich das Haus nie verlassen!

    Christian stand neben mir im Zimmer und hielt seine Hand auf seinem Bauch.

    „Bauchschmerzen?“

    „Ich habe seit zwei Tagen schreckliche Schmerzen“.

    „So wie ich Sie kenne, Christian, haben Sie einen nervösen Magen. Machen Sie bitte die Darmspiegelung. Es ist nicht so schlimm wie man denkt. Sie kriegen eine Sedierungsspritze mit Propofol, schlafen ein und nach dreißig Minuten ist alles wieder vorbei. Die Untersuchung habe ich auch gemacht“.

    Alle Patienten mit chronischen Nierenversagen müssen sich jährlich bei allen Ärzten untersuchen lassen. Diese Untersuchungen dienen nicht nur der Vorsorge, sie sind auch eine Transplantationsvorbereitung.

    „Das mache ich nicht. Ich habe Angst. Ich bin Hetero. Aber für Sie, das Rohr reingeschoben zu bekommen sollte doch kein Problem sein. Sie sind schwul“.

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